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ACE – Multivitamine für die Arbeitssuche?

Manchmal kommt es anders als man denkt. Oder auch als es mit der AMS-Betreuerin vereinbart war. Bei meinem letzten AMS-Termin vor dem Sommer vereinbarten wir (oder eigentlich sie mit mir), dass ich ihr mir eine Weiterbildung suche und ich ihr beim nächsten Termin einen Kostenvoranschlag vorlege. Dieser Vereinbarung bin ich nachgekommen. Zeitgleich erhielt ich vom AMS jedoch eine Benachrichtigung, dass ich mich in der kommenden Woche in einem Bewerbungstraining einzufinden hätte.

Obwohl anders vereinbart wurde ich zur Teilnahme an der Kursmaßnahme “ACE – Aktivierung, Coaching, EDV. Bewerbungstraining für Maturant*innen, Akademiker*innen und Führungskräfte” verpflichtet. Zwei Tage die Woche, fünf Wochen lang. Veranstaltet wird dieses sogenannte Bewerbungstraining von einer vom AMS beauftragten externen Firma. Tja, Arbeitslosigkeit ist eben auch ein Geschäft. Und was für eines.

Am ersten Tag erhielten wir Unterlagen in Sachen Bewerbung. Tipps, um einen ”innovativen Lebenslauf” zu erstellen, um damit bessere Jobchancen zu haben. Hier ein Auszug daraus:

“Und der Dresscode? Eine Faustregel sagt: immer eine Stufe besser, als Sie üblicherweise am Arbeitsplatz tragen werden. Häufig bieten die Mitarbeiterfotos im Internetauftritt des Unternehmens einen guten Anhalt. Achten Sie auch auf Ihre Ausstrahlung. Sie sollten weder zu fröhlich noch zu ernst wirken. Und als Frau sollten Sie lieber nicht zu attraktiv aussehen, wie eine Studie zeigt. Da die innerbetriebliche Personal(vor)auswahl zu 85% von Frauen vorgenommen wird, könnten Sie sonst leicht einem Neidkomplex zum Opfer fallen.

Nach dem Aufschreib einiger Kursteilnehmerinnen meinte unsere Trainerin dazu:

„Diese Unterlagen sind aus dem Internet, nicht von mir.“

Abschließend fügte sie allerdings noch hinzu:

“Wenn jemand nicht so hübsch ist, sollte sie sich überlegen, ob sie überhaupt ein Foto mitschickt.”

Da auf den Unterlagen keine Quellenangabe zu finden war, machte ich mich an die Internetrecherche. Schließlich sitzen wir den halben Kurstag lang ohnehin nur vor dem Computer herum. Also suchte ich nach „innovativ“ und „Lebenslauf“. Bingo! Der innovative oder erneuerte Lebenslauf.

Ob dieser fragwürdige Ratgeber weiß, dass seine Materialien ohne Erwähnung in AMS-Kursen verteilt werden? Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Published inAllgemein

4 Comments

  1. Eva Birgit Eva Birgit

    Hallo, Danke für diesen Bericht und diese Website!
    Welch frauendiskriminierende Aussagen! Was heißt „nicht zu attraktiv aussehen“? Ist gemeint, sich als Frau nicht allzu „sexy“ auf Fotos zu präsentieren? Und „wenn jemand nicht so hübsch ist“? Was sind das für Beurteilungskriterien? Wer will bestimmen, was hübsch ist, und was nicht? Frauen sehen aus, wie sie nun mal aussehen!!! Basta! Müssen Männer Kriterien von ‚Hübschheit‘ und Attraktivität erfüllen um einen Job zu bekommen? Natürlich nicht!!! Frauen sind in der Arbeitswelt, um Geld zu verdienen, um überleben zu können, so wie Männer auch, und nicht, um an einem Schönheitswettbewerb teilzunehmen! Die Aussagen der Kursleiterin werfen ein Licht darauf, mit welchen Diskriminierungen und Hürden Frauen es in der Arbeitswelt und Gesellschaft zu tun haben, die sie wirksam aus der öffentlichen Sphäre ausschließen und draußen halten!

    Solidarische Grüße
    Eva Birgit

    • michael michael

      nur, dass -wie im artikel erwähnt- frauen daran „schuld“ sind. denn diese wählen oftmals das personal aus. zu diesem thema gibt es einige studien und der tenor dabei ist, dass hübsche männer einen vorteil haben, hübsche frauen hingegen oftmals aussortiert werden ( „die nicht“ ).
      im gegenzug gibt es dann oftmals quoten, weil ja zuwenige frauen in dem beruf tätig wären, die dann umgekehrt den gleich qualifizierten männern eine erfolgreiche bewerbung noch mehr erschwert.
      das ist ebenso sexismus. quoten an sich sind das.

  2. Sehr sehr informativer Artikel, danke dafür 🙂

  3. michael horn michael horn

    zeittraining bei Top-lokal ist nicht sinnvoll
    meiste zeit fad sitzten

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