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Niveau ist keine Hautcreme oder: Eine Terrasse macht noch keinen Sommer (Ein vorläufiger Erfahrungsbericht)

Da es sich die Branche meiner bisherigen Arbeitsbetätigungen offenbar locker leisten kann, auf meine in 25jähriger Berufsausübung erworbenen Fach- und Erfahrungskompetenzen komplett zu verzichten, haben mein wirklich hilfreicher AMS-Berater und ich einen Coaching-Kurs für AkademikerInnen, MaturantInnen und Führungskräfte ausgewählt, um eine berufliche Neuorientierung zu erarbeiten. So weit, so hübsch …

TAG 1:

Motiviert und voller Elan erscheine ich zusammen mit 14 anderen Personen zum angebenen Zeitpunkt am Kursort und harre der Dinge, die da kommen (sollen). Wir werden zu einem Einzelgespräch gebeten, welches bei mir genau drei Minuten gedauert hat, da ich ja wußte, was ich erreichen wollte – den Rest der Zeit verbrachte ich 3 Stunden wartend auf die Mittagspause auf der zugebenermaßen schönen Terrasse in der heißen Sommersonne. Dann endlich Mittagspause! Dann endlich Nachmittagskurs! Die Gruppe war inzwischen auf 12 Personen reduziert und wir machten eine dreistündige Kennenlernrunde – so etwas schafft man normalerweise mit wesentlich mehr Teilnehmern in einer knappen halben Stunde – aber gut, der erste Tag war rum und ich hatte Migräne. Da habe ich es noch auf den zu langen Aufenthalt in der prallen Sonne geschoben …

TAG 2:

Die Gruppe trifft sich wieder pünktlich am angebenen Ort, um dann eine Stunde Leerlauf zu genießen, weil noch kein Raum mit Computern frei ist – wir bearbeiten nämlich unsere Lebensläufe! Aha, daran liegt es also, dass es bisher noch nicht geklappt hat mit einer Stelle! Wir bekommen ein Paper aus dem Internet ausgeteilt, wo so hilfreiche Tipps weitergeben werden wie, dass Frauen kein zu hübsches Foto haben sollten, da weibliche Rekruterinnen sonst neidisch werden könnten. Dann werden wir einzeln mit unseren sensiblen persönlichen Daten an den Beamer gesetzt und die wirklich engagierte Gruppe beginnt zu analysieren. Alle Lebensläufe sind beeindruckend und in vielen Kursen optimiert, so dass sich das meiste in Detailfragen verliert – von der Trainerin jedenfalls kommt kein einziger konstruktiver Beitrag. Und dann ist auch schon wieder Mittagspause und die Migräne ist auch schon wieder da, Hurra! Nach der Mittagspause geht es mit den Lebensläufen weiter, aber sie langen leider nicht für den lieben langen Tag, so dass wir stundenlang eigenverantwortlich Jobrecherche am Computer durchführen sollen – auf die Idee wäre ich ja eigenmotiviert niemals von allein gekommen! Aber Hauptsache, wir müssen brav bis zum bitteren Ende dableiben …

TAG 3:

Unsere Trainerin ist krank und der arme Praktikant muß einspringen – der hat zwar schon die letzte Woche, aber Kurs-Zugangsdaten für den Computer hat ihm dennoch noch niemand anvertraut. Ich schwanke zwischen Mitleid und Entsetzten. Er schlägt seine Mappe auf und trägt zusammenhanglos „Einsichten“ von uns unbekannten Koryphäen zum Thema Konfliktmanagement vor – die Migräne ist diesmal GottseiDank schon von Beginn an da! In der Mittagspause fällt zum ersten Mal der Begriff „Boreout“ und nach der Pause sitzen wir in einem entsetzlich stickigen und engen Raum wieder am Computer zur Jobrecherche. Das Thema „Einzelcoaching“ hat sich für diese Woche auch erledigt, weil der zuständige Herr nicht da ist, uns noch gar niemand eingeteilt hat, und sich nur auf unser hartnäckiges Nachfragen hin jemand darum kümmern will. Und wir sollen dort aktiviert und motiviert werden …??!! Ach ja, Donnerstag geht Einzelcoaching auch nicht, weil wir da ja eine wichtige Exkursion in ein Museum machen … .

EIN ERSTES FAZIT:

Ich bin ganz sicher kein notorischer Querulant und habe viel Verständnis  für Sachzwänge, aber was da bisher passiert, ist die  komplette Verschwendung von Steuergeldern, Motivationsenergien und wertvoller Lebenszeit. Und eine meiner ursprünglichen Ideen, nämlich Trainer in der Erwachsenenbildung zu werden, hat sich damit auch schon erübrigt …

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