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Erfahrungen mit sinnlosen AMS-Kursen? Heute: Marina

Erster Tag. Eine zweite Frau und ich steigen in den Motivationskurs ein. Sieben andere Teilnehmer sind schon seit 4 Wochen dort. Der Trainer mit langen Haaren stellt sich vorne hin und beginnt uns über sein Leben von klein auf bis hin zum Erwachsenenalter zu erzählen. Schule, Ausbildung, Bundesheer (dort hat er entdeckt, dass er anders ist) und sein jetztiges Dasein. Er erklärt uns, dass wir unseren Gefühlen freien Lauf lassen müssen. Er steht vorne und fängt an, mit seinen Händen herumzufuchteln. Vom Bauch weg bis hinaus in die Welt sollen wir unsere Gefühle schicken. Wir sollen einen Stein nehmen und unsere Gefühle in den Stein schreien und um diesen dann in den See zu schmeißen. Meine Sitznachbarin gräbt ihre Fingernägel in meinen Oberschenkel und flüstert mir zu: was macht der da ? was soll das ? hilfe ! Tja, ich kann ihr nicht helfen, ich bin total schockiert und denke darüber nach laut aufzuschreien …

Der nächste Tag. Eine neue Trainerin. Sie hat Obst und Gemüse mit. Sie kommt auf mich zu und verbindet mir die Augen. Gut. Sie hält mir Obst vor die Nase und siehe da, ich kann erraten, dass es sich dabei um eine Banane handelt … Rosemarie, meine Sitznachbarin bekommt einen Lachanfall.

Der dritte Tag. Wir gehen Nordic Walking. Alle sind total frustriert und ich denke mir: scheiß drauf, ich renne los und hoffe, dass mich keiner sieht, der mich kennt. Schließlich bin ich arbeitslos und sollte ja eigentlich Bewerbungen schreiben …

Der vierte Tag. Der Chef der Firma. Dick und Veganer. Stolz Veganer zu sein. Erzählt uns von seinen Zielen, die er sich im Laufe seines Lebens gesetzt hat. Man muss sich Ziele setzten. Er lässt uns auf ein Blatt Papier – Ziele setzten. Eine Frau im Kurs sagt, dass sie keine Ziele mehr hat, denn sie hat alles was sie je wollte (war nur im Kurs, weil sie über die Wintermonate stempeln gehen musste (Kellnerin)). Der Herr Chef bittet sie trotzdem nachzudenken, ob es nicht doch irgendein Ziel gibt. In der Pause geht der Chef zum Kaffee. Nimmt sich Zucker und MILCH !!!!!!! Hallo ??? Ich stehe daneben und klatsch ihm eine auf die Finger. Er starrt mich an und ich sage ihm: Sie sind doch vegan. Da darf man doch keine Milch trinken.

Der fünfte Tag. Wir turnen auf einer Matte. Den ganzen Vormittag.

Der sechste Tag. Wir rennen im Kreis rum und geben uns die Hand oder eben auch nicht. Eine halbe Stunde lang.

Der siebente Tag. Wir werden zu Terminen eingeladen. Mein Termin um zehn wird um eine Stunde verschoben ohne dass mir jemand Bescheid gesagt hat. Ich warte. Danach werde ich aufgefordert den Raum zu betreten. Ich muss mich vor einen Spiegel stellen um den beiden Damen dann zu sagen was ich sehe … Ich sehe mich selbst reicht nicht. Ich fange an zu erklären was ich anhabe. Meine Figur. Meine Brille. Mein ganzes Aussehen. Leider reicht das nicht. Ich will aufgeben. Darf ich nicht. Ich rede weiter und erzähle ihnen von meinen Gefühlen … die ich gerade habe. Ich werde sauer. Danach ein Gespräch. Mein Baum den ich gemalt habe wird analysiert. Ich gehe nach Hause. Rosemarie die ich draußen treffe weigert sich dies mitzumachen und geht ebenfalls nach Hause.

Der achte Tag. Vielleicht endlich Bewerbungstraining ??? Nein. Wir schreiben auf mehrere Blätter Papier wie man „Geld“ noch anders nennt in Österreich. Also .. Göd, Moneten etc. Danach kleben wir es auf eine Pinnwand und wir disskutieren darüber, warum es soviele Wörter dafür gibt.

Der neunte Tag. Wir müssen verschiedene Getränke (Eistee, Cola, Apfelsaft, Wasser etc) analysieren, wieviel Zucker etc sich darin enthalten. Teamwork. Ich darf das Projekt vorstellen.

Der zehnte Tag. Ich überlege ob ich mir Schnaps mitnehme … für den Kaffee natürlich. Wir werden gefragt, wie die Hinfahrt zum Kurs war. Was haben wir alles gesehen oder gehört. Wir müssen einzeln nach vorne und den anderen davon berichten.

Der elfte Tag. Ich fahre nicht mehr hin, denn GsD habe ich kurzfristig einen Job bekommen. Leider nur für 2 Monate aber ich muss NICHT mehr in den Kurs.

Rosemarie muss bis Ende bleiben. Wir sind heute noch in Kontakt. Sie hat zu studieren begonnen und ist bei ihrem Mann mitversichert.

Meiner eins sucht immer noch einen Job. Dieses Jahr hätte ich den Kurs wiederholen müssen. Wenn ich den Kurs nochmal hätte machen müssen (jemand hat mir geholfen nicht mehr hinzumüssen), wäre ich vermutlich in die psychatrische Abteilung eingeliefert worden …

Published inAllgemein

Ein Kommentar

  1. albin albin

    Baum zeichnen, naja – o.k.

    Aber analysieren im Sinne wissenschaftlicher Objektivität ist nicht möglich, weil nicht intersubjektiv überprüfbar.
    Darum wird dieses Verfahren bei Bewerbungen heute nicht mehr angewandt oder wenn, dann nur
    von nicht ernst zu nehmenden oder unseriösen „Spezialisten“

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